Immigration, Integration, “Ausländer” – ein wahnsinnig schwieriges Thema. Ich weiß auch gar nicht wie ich beginnen soll, und habe keine Ahnung wie ich alle Facetten dieser Thematik in einem Eintrag unterbringen soll. Trotzdem werde ich’s versuchen.
In letzter Zeit kam es oft (vor allem in der Schule) zu heftigen Diskussionen dieses Thema betreffend – ausgelöst durch die Rede eines Mitschülers, der darin einen sehr ausländerfeindlichen Standpunkt vertrat. Womit wir auch schon beim ersten Punkt wären: In diese Debatte mischen sich Leute ein, die keinen blassen Schimmer haben. Dann tauchen absurde Zahlen auf, die statistisch belegen sollen, dass wir in Österreich bereits in wenigen Jahren von Moslems “überrollt” werden. Wie gesagt – absurd! Außerdem fließt in solche Diskussionen auch viel purer Hass, ja gar Rassismus mit ein. Viele Menschen verwechseln Tradition und Patriotismus mit Nationalismus, welcher schließlich zu Rassismus führen kann. Ich habe nichts gegen Patriotismus, im Gegenteil – ich bin stolzer Tiroler sowie Brite (was sicher auch ein Grund für meine Offenheit gegenüber Ausländern ist – dazu später mehr). Jedoch darf man es nicht zu weit treiben!
Meiner Meinung nach hat jeder Mensch, egal welcher Nation er angehört, welche Hautfarbe er besitzt oder welche ideologischen oder religiösen Einstellungen er hat, das Recht, sich in einem anderen Land niederzulassen und dort ein neues Leben beginnen. Wir als wohlhabende und in friedlichen Gebieten lebende Europäer wissen ja gar nicht wie es ist, ständig auf der Flucht vor Krieg, Hunger oder Armut zu sein. Ginge es uns so, würden wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen, um die Gelegenheit zu erhalten, wo anders ein neues Leben zu beginnen. Allerdings liegt es in unserer europäischen Einstellung, uns für einen besseren Kontinent zu halten – man denke an die Zeit der Kolonialisierung in Afrika oder Asien. Jedoch ist es nun an der Zeit, diese Vorurteile zu vergessen – schließlich leben wir im Zeitalter der Globaslisierung, in dem Integration so gefragt ist wie noch nie.
Da ich mich mehrmals im Jahr in England aufhalte und in meinen Adern zur Hälfte britisches Blut fließt, habe ich sicherlich eine liberalere Einstellung, was die Immigrationsdebatte betrifft. Dort ist man mit viel mehr Immigranten konfrontiert als in Österreich – von denen die meisten vollständig in die Gesellschaft integriert sind. Bedingt durch das frühere Empire ist Großbritannien sicherlich eine Art multikultureller Staat, in dem das Zusammenleben (mit einigen Ausnahmen – beispielsweise die radikale British National Party, BNP) sehr gut funktioniert. Ausnahmen gibt es immer und überall, manchmal mehr, manchmal weniger. Ich denke, dass sich diese mit der Zeit “in Luft auflösen” – Großbritannien ist in seiner Entwicklung in dieser Hinsicht sicherlich weiter fortgeschritten als Österreich. So sah ich zum Beispiel bei meinem letzten Aufenthalt dort in Süd-London eine ehemalige, verlassene (vermutlich anglikanische) Kirche, die zur Moschee umfunktioniert wurde. Auf dem Kirchturm wurde ein kleiner Halbmond angebracht. Könnt ihr euch vorstellen, was für einen Aufschrei so etwas in Österreich verursachen würde? Mich hat es ganz und gar nicht gestört – im Gegenteil, meiner Meinung nach ist so etwas das beste Beispiel für gelebte und überzeugte Integration.
Ich hoffe, dass solche Entwicklungen in einigen Jahren auch in Österreich kein Problem mehr sein werden. Versteht mich nicht falsch – natürlich bin ich nicht dafür, dass der Islam die vorherrschende Religion Österreichs wird – es sollte überhaupt keine vorherrschende Religion geben (doch meine Meinung zum Thema Staat – Kirche – Religion folgt im nächsten Eintrag).
Wie ihr vielleicht bemerkt habt, rede ich viel vom Islam – zum Teil, weil ich schon so geschädigt von den hiesigen Immigrationsdebatten bin (in denen seltsamerweise immer nur von Türken die Rede ist – das wird doch wohl kein bloßer Hass gegen Südländer sein?!) und der Tatsache, dass – ja, welcher Tatsache? Genau das ist es. Es gibt noch unzählige andere Länder, deren Einwohner nach Österreich einwandern, die aber von ausländerfeindlichen Menschen wenig beachtet werden. Ein weiteres Indiz für die (großteils unbegründeten) Vorurteile gegen Moslems. Ich sage es offen und ehrlich: Hier muss man der FPÖ unter Heinz Christian Strache eindeutig die Hauptschuld geben. Mit Wahlslogans wie “Abendland in Christenhand”, “Daham statt Islam” oder “Wien darf nicht Istanbul werden” ist es nicht verwunderlich, dass diese Partei zunehmende Popularität genießt. Vor allem bei eher ungebildeten Jugendlichen fällt das Programm dieser Partei auf fruchtbaren Boden, obwohl es das beste Beispiel für Populismus ist. Betrachtet man die FPÖ kritisch, wird man feststellen, dass sie außer Hetze gegen Ausländer, die Regierung oder auch die EU keine wirklichen Inhalte hat. Leider bildet auch Österreich keine Ausnahme zum europaweiten Rechtsruck.
Zusammenfassend muss ich feststellen, dass viele meiner Mitmenschen eine erschreckend brutale Einstellung gegenüber Immigranten (und auch gegenüber dem Islam) haben. Weiters ist es anscheindend nicht mehr möglich, eine kultivierte Diskussion zu führen. Wenn ich als “scheiß Liberaler” und “Drecksatheist” beschimpft werde, frage ich mich doch, wann die Einstellung vieler Menschen endlich aus dem hintersten Gebirgstal Tirols herauskommt und sich mit der heute notwendigen Offenheit gegenüber Immigranten befasst.